Praxisklinik Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis Offenbach am Main / Hanau / Friedberg

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Behandlungserläuterung:
Der Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule

Ursachen, Auswirkungen und Symptome: im Laufe des Lebens können Schwachstellen im Bereich des äußeren Faserrings der Bandscheibe entstehen. Durch diese Lücke kann Knorpelgewebe aus dem Kern der Bandscheibe rutschen. Drückt dieser relativ feste Knorpel nach hinten oder seitlich in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal) beziehungsweise in den Austrittskanal der Nervenwurzeln (Foramen), können diese Strukturen verengt werden. Hieraus resultieren typischerweise Schmerzen im Bereich des unteren Rückens, häufig ausstrahlend über das Gesäß bis in die Beine. Ein nicht unerheblicher Anteil der Patienten berichtet zudem auch über ein Taubheitsgefühl in den Beinen oder Füßen, gelegentlich einhergehend mit Lähmungserscheinungen unterschiedlicher Beinnmuskeln, manchmal auch des Gesäßmuskels.

Typischerweise sind aufgrund der Form der Lendenwirbelsäule vor allem die drei unteren Bandscheiben (L3/4, L4/5 und L5S1) vom Verschleiß und der Entwicklung eines Vorfalls betroffen

Verlauf: Bandscheibengewebe, welches durch den Faserrings hindurch geplatzt ist, wird vom menschlichen Körper als Fremdmaterial angesehen. Daher beginnt der Körper sofort, Fresszellen auszusenden, um den Bandscheibenvorfall zu entfernen. Grundsätzlich besteht auch an der Lendenwirbelsäule die Möglichkeit, dass über viele Wochen und Monate abhängig von der Größe des Bandscheibenvorfalls ein Großteil des Gewebes durch diesen Mechanismus abgebaut wird. Häufig gelingt dies jedoch nicht, in manchen Fällen wird ein Bandscheibenvorfall sogar über Knorpel in Knochen umgewandelt und verwächst mit dem Wirbelkörper (und bildet dann knöcherne Randleisten).

Diagnostik: das Standardverfahren zur Begutachtung der Lendenwirbelsäule ist die Kernspintomographie (MRT). Hierdurch erhält man genaue Informationen über die gesamte LWS, insbesondere können weiche Strukturen wie Bandscheiben, Nervenwurzeln und Rückenmark sehr genau beurteilt werden. Ergänzend sind vor allem bei knöchernen Veränderungen Röntgenaufnahmen und eine Computertomographie (mit einer so genannten Knochendarstellung) sinnvoll.

Behandlungsmöglichkeiten: die Vorgehensweise ist vor allem davon abhängig, wie stark ein Patient durch die Beschwerden eingeschränkt ist und wie lange die Symptome bereits bestehen. Liegen massive Schmerzen im Rücken oder in den Beinen vor, welche sogar durch die Gabe von Medikamentenkombinationen nicht in den Griff zu bekommen sind, oder zeigen sich sogar schon Lähmungserscheinungen mit Muskelschwäche und Taubheit im Bein, so ist bei nachgewiesenem Bandscheibenvorfall eine rasche Operationen sinnvoll.

Spricht der Patient dagegen auf Medikamente gut an, kann bei fehlenden Ausfallerscheinungen zunächst weiter abgewartet werden. Unterstützend sind lokale Wärmeanwendungen mit manueller Therapie und intensiver Krankengymnastik sinnvoll. Sportliche Aktivitäten wie Walking, Fahrradfahren oder Schwimmen (teilweise auch Jogging) können, so dies als angenehm empfunden wird, weiter wahrgenommen werden. Die Einnahme von Schmerzmitteln (Tabletten/ Schmerztropfen) sollte selbstverständlich auf einige Tage oder wenige Wochen begrenzt sein. Kommt es bei Absetzen der Medikamente sofort wieder zu massiven Schmerzen, wäre auch dies ein Zeichen für die Notwendigkeit einer Operation.

Abhängig von der Größe und Lage des Bandscheibenvorfalls stehen unterschiedliche Operationsmethoden zur Verfügung. Bei so genannten extraspinalen, also außerhalb des Wirbelkanals befindlichen Bandscheibenvorfällen bietet sich häufig die endoskopische Entfernung des Vorfalls an. Bei sehr großen, extraspinalen/extraforaminalen Bandscheibenvorfällen und bei Vorfällen in Höhe LWK5/SWK1 bietet sich auch die mikrochirurgische Behandlung über den sogenannten lateralen Zugang an.

Endoskopische Operationen im Wirbelkanal selbst beschränken sich auf wenige Ausnahmen.So werden die meisten Bandscheibenvorfälle mit Austritt in den Rückenmarks-Kanal, sowie auch solche mit zusätzlich ausgeprägten Verschleißerscheinungen um den Spinalkanal oder mit einer leichten Einengung desselben (Spinalkanalstenose) zumeist offen mikroneurochirurgisch unter dem Operationsmikroskop versorgt.

Ist der Bandscheibenvorfall hingegen mit chronischen Verschleißerscheinungen (narbigem Bindegewebe und Knochenanbauten) und einem Wirbelgleiten verbunden, sollte eine Versteifung der Wirbel durch Einbringen eines Cages (Abstandshalter) in den Bandscheibenraum und eine hintere Stabilisierung mittels Schrauben-Stab-System (Fixateur interne) durchgeführt werden.

Sowohl im Längs- wie auch Querschnitt der Lendenwirbelsäule erkennt man den kräftigen Bandscheibenvorfall in Höhe L5S1, wodurch der Spinalkanal um fast 80% verlegt ist.


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